Wenn ein Unternehmen in der Hörakustik Jubiläum feiert, lohnt der Blick zurück. 2026 begeht Signia sein zehnjähriges Bestehen – und verweist dabei auf eine Historie, die deutlich weiter zurückreicht.
Der Ursprung liegt im Jahr 1878: Werner von Siemens entwickelte einen Telefonhörer, der es auch schwerhörigen Menschen ermöglichen sollte, Sprache besser zu verstehen. Mehr als ein Jahrhundert später, 2016, wurde aus Siemens Audiology die Marke Signia. Mit der Einführung der sogenannten px-Plattform und dem ersten Modell der Pure-Familie startete das Unternehmen in eine neue Ära. Die RIC-Baureihe („Receiver in Canal“) zählt bis heute zu den zentralen Produktlinien im Portfolio.
Fünf Plattformen, zahlreiche Schutzrechte
Seit der Neupositionierung hat Signia nach eigenen Angaben fünf Plattformgenerationen vorgestellt. Geschäftsführer Tobias Wiedmann verweist auf eine hohe Zahl an Patenten und hebt insbesondere den Entwicklungsstandort Erlangen hervor. Technologisch setzte das Unternehmen in den vergangenen Jahren unter anderem auf die Weiterentwicklung der e2e-Binauraltechnologie, auf „Own Voice Processing“ zur differenzierten Verarbeitung der eigenen Stimme sowie auf Multi-Beamformer-Konzepte zur Verbesserung des Sprachverstehens in Gruppensituationen.
Gerade Letzteres ist aus audiologischer Sicht relevant: Die Verbesserung des Signal-Rausch-Abstands in komplexen Hörumgebungen gilt weiterhin als eine der größten Herausforderungen in der Hörsystementwicklung. Herstellerseitige Fortschritte werden daher im Markt genau beobachtet – und im Fachgeschäft kritisch überprüft.
Gute Noten vom Fachhandel
In der aktuellen Kundenzufriedenheitsbefragung des Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) belegte Signia nach Unternehmensangaben in mehreren Kategorien Spitzenplätze, darunter in der Kategorie „Bevorzugter Partner“. Auch die Anpasssoftware Connexx sowie Schulungs- und Marketingangebote wurden positiv bewertet.
Für den unabhängigen Fachhandel spielen solche Faktoren eine zunehmende Rolle. Neben Produktleistung und Lieferfähigkeit gewinnen Beratungsunterstützung, digitale Tools und Fortbildungsangebote an Bedeutung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Anforderungen und eines intensiven Wettbewerbs.
„Colors of Us“: Kampagne mit personalisiertem Ansatz
Im Jubiläumsjahr setzt Signia auf eine breit angelegte Marketingkampagne unter dem Titel „Colors of Us“. Vorgestellt wurde sie – inzwischen Tradition – im Rahmen einer unternehmenseigenen Keynote-Veranstaltung.
Kern des Konzepts ist die Individualisierung: Werbemittel werden laut Unternehmen auf teilnehmende Fachbetriebe zugeschnitten, inklusive Foto, Kontaktdaten und Markenauftritt. Ziel ist eine stärkere Endkundenansprache mit klarer Zuordnung zum jeweiligen Hörakustikbetrieb.
Der Ansatz folgt einem Branchentrend: Hersteller versuchen verstärkt, Marketingmaßnahmen so zu gestalten, dass sie nicht nur Markenbekanntheit schaffen, sondern unmittelbar Frequenz im Fachgeschäft erzeugen.
Portfolioausbau in der IX-Familie
Produktseitig kündigte Signia im Rahmen der Veranstaltung eine Erweiterung der IX-Technologie an. Die maßgefertigten Im-Ohr-Systeme Insio Charge&Go IX sollen ab April auch in den Essential-Leistungsklassen 2IX und 1IX verfügbar sein.
Damit wird die IX-Plattform in niedrigeren Technologiestufen zugänglich. Für die Beratungspraxis bedeutet dies zusätzliche Differenzierungsmöglichkeiten – insbesondere im preissensibleren Segment, in dem individuelle Bauformen zunehmend nachgefragt werden.
Der Wettbewerb bleibt intensiv
Das Jubiläum markiert keinen Endpunkt, sondern eine Zwischenbilanz in einem dynamischen Markt. Internationale Konzerne investieren weiter massiv in Forschung, Softwareentwicklung und Konnektivität. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Nutzer an Design, Akkulaufzeit und nahtlose Integration in mobile Ökosysteme.
Signia kündigt für das laufende Jahr weitere Produktneuheiten an, Details bleiben bislang offen. Fest steht: Nach zehn Jahren als eigenständige Marke steht das Unternehmen vor denselben Herausforderungen wie der gesamte Markt – technologischer Innovationsdruck, Kostensensibilität und der Anspruch, Hörsysteme nicht nur funktional, sondern gesellschaftlich selbstverständlicher zu machen.
Die kommenden Jahre dürften zeigen, ob es gelingt, diesen Anspruch in einem zunehmend digitalisierten Wettbewerbsumfeld einzulösen.